Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst an Helga Meyer-Wagner

Der Name Helga Meyer –Wagner war mir als musikinteressiertem jungen Menschen schon früh ein Begriff. Die erste persönliche Begegnung fand schließlich Mitte der 1990er Jahre an der Staatsoper Prag statt, an der wir damals beide engagiert waren – Helga Meyer-Wagner als arrivierte Sängerin mit ihrer Lieblingspartie Leonore in Beethovens Fidelio und ich als Bühnenanfängerin. Seit dieser Zeit haben sich unsere Wege oftmals gekreuzt und ich durfte Helga Meyer –Wagner nicht nur als Sängerin sondern vor allem als Mentorin und Kollegin kennen- und schätzen lernen.
Deshalb ist es mir eine große Freude an dieser Stelle anlässlich der Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst für ihre Verdienste als Künstlerin und Kunstvermittlerin Helga Meyer-Wagner von ganzem Herzen zu gratulieren und zu versuchen ihren vielfältigen Begabungen und Tätigkeitsfeldern in einer kurzen Charakterisierung gerecht zu werden.

Die Sängerin

Zurückblickend auf eine 30-jährige Gesangskarriere mit einer Entwicklung von Alt über Mezzosopran bis zum dramatischen Sopran und einem Repertoire von mehr als 100 Partien aus drei Fächern wird Helga Meyer –Wagner nicht müde zu erzählen, dass sie zwar schon als Kind sehr gerne gesungen habe, der Berufswunsch Sängerin sich aber erst eher zufällig im Laufe ihrer Ausbildung zur Musikpädagogin entwickelt habe. Dem abgeschlossenen Opern- und Konzertfachstudium folgte ein Eleven-Vertrag der damals bereits dreifachen Mutter an der Wiener Volksoper. Folgeengagements führten sie an zahlreiche Opernhäuser und Konzertsäle Mitteleuropas wie das Landestheater Linz, Stadttheater Würzburg, Staatsoper Wien, Deutsche Oper Berlin, Salzburger und Bregenzer Festspiele, um nur einige wenige Beispiele herauszugreifen.
Befragt nach ihren schönsten Erinnerungen antwortet Helga Meyer- Wagner: „Meine Gastspiele als Sesto in La Clemenza di Tito an der Wiener Staatsoper und als Ortrud in Lohengrin sind für mich als Wienerin absolute Höhepunkte meiner Karriere, ebenso wie  die Altpartie der Magdalena in Kienzls Evangelimann, die ich als junge Frau an der Wiener Volksoper an der Seite von Anton Dermota sang – ein unauslöschlich tiefes Erlebnis für mich.“

Die Gesangspädagogin

Beginnend mit dem Jahr 1990 führte sie ihre pädagogische Tätigkeit zunächst an die Schauspielschule des Wiener Volkstheaters. In weiterer Folge unterrichtete Helga Meyer-Wagner dann u.a. an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, sowohl an der Abteilung für Gesang und Musiktheater als auch am Institut Antonio Salieri (Gesang in der Musikpädagogik) sowie an der Konservatorium Wien Privatuniversität. 1999 wurde ihr der Berufstitel Professorin verliehen.
Auf die Frage nach der größten Tugend bzw. Untugend eines Gesangspädagogen gibt Helga Meyer-Wagner folgende Antwort: „[…] halte ich die Flexibilität der Ansprüche und Methoden, sowie eine positive Einstellung zu den Studierenden für die wichtigste Tugend. Als gefährlichste Untugend halte ich das Überstülpen einer Methode, von der man durchdrungen ist, ohne Rücksicht auf die zu erziehende Persönlichkeit.“

Die Kunstvermittlerin

Basierend auf der grundlegenden Überzeugung, dass neben Stimmbildung und der Erarbeitung von Repertoire die praktische szenische Erfahrung einen wesentlichen Bestandteil der Ausbildung zum Sänger darstellt, entwickelte Helga Meyer-Wagner folgendes Unterrichtskonzept: Opernquerschnitte wurden musikalisch und szenisch unter ihrer Anleitung mit den Studierenden erarbeitet und anschließend in angedeuteter Dekoration und Kostümierung mit Klavierbegleitung in Schulen aufgeführt. Ergänzt wurden diese Aufführungen durch Moderationen, die die jugendlichen Zuhörer an die Kompositionen heranführen sollten und bei denen auch alle erdenklichen Fragen gestellt werden konnten.
Den Studierenden dienten diese Aufführungsserien zur Entwicklung ihrer Bühnenpersönlichkeit, der Stimmentfaltung sowie der Optimierung des persönlichen Umgangs mit Nervosität und Lampenfieber. Die jungen Zuhörer andererseits konnten „Oper hautnah“ erleben und so Zugang zum „Wesen der Oper und des Gesanges “, wie es Helga Meyer-Wagner formulierte, finden.

Die Funktionärin

Bereits seit der Gründung des Bund Österreichischer Gesangspädagogen im Jahr 2000 engagiert im Verein tätig steht Helga Meyer-Wagner der mittlerweile in EVTA-Austria umbenannten Interessensvertretung der österreichischen Gesangspädagogen seit 2008 als Präsidentin vor. Zentrales Anliegen ist der Informationsaustausch und die Förderung der Kommunikation unter den Gesangslehrenden aller Sparten und Ausbildungsstufen. Neben den zahlreichen mit dieser Funktion verbundenen organisatorischen Aufgaben ist Helga Meyer-Wagner außerdem Mitbegründerin und Redakteurin der Fachzeitschrift vox humana.
Nun ließe sich die Aufzählung noch beliebig weiterführen, würde aber, geht man von der Überlegung aus, dass das Ganze mehr als die Summe aller Teile darstellt, Helga Meyer-Wagner in ihrer Vielfältigkeit dennoch nicht gerecht werden.
Darum zum Abschluss nochmals herzliche Gratulation mit den besten Wünschen für zukünftige Aufgaben und Projekte!

Judith Kopecky

Lesen Sie auch den Artikel der Privatuniversität Konservatorium Wien.

Veröffentlicht unter Ankündigungen & Aktuelles, News

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